Wer von Szenemode spricht, geht im Allgemeinen von einem mehr oder weniger einheitlichen Kleidungsstil und speziellen, nur in dieser Szene vertretenen Stilelementen aus. Bei den meisten Jugendkulturen trifft das jedoch nicht zu.
In den Anfangstagen einer spezifischen Jugendkultur bedienen sich ihre Protagonisten meist aus Versatzsstücken vorhandener Szenen und aus vorangegangenen Epochen und verfremden diese . In dieser Phase ist vor allem Kreativität gefragt und quasi täglich arbeiten die Szenevertreter an ihrem Kanon, probieren aus, verwerfen, testen Neues und definieren so in einem längerfristigen Prozess ihren spezifischen Kleidungsstil.
In der nächsten Phase, jetzt steht fest, was “geht” und was nicht, findet eine zunehmende Uniformierung und Standardisierung statt. Wer vom vorgegebenen Dresscode abweicht, wird nicht als Szenemitglied akzeptiert. Am Ende dieser Phase zerfällt die Szene aufgrund dieser Intoleranz in viele Subszenen, die trotz gleicher Wurzeln immer weniger Schnittmengen aufweisen.
Während einTeil der Subszenen an tradierten Stilen festhält und kaum offen für Veränderungen ist, nehmen andere aktiv Anregungen aus anderen Szenen oder allgemeinen Entwicklungen in Mode und Gesellschaft auf und vermischen diese mit Überlieferten. Es bilden sich neue Stile und Subkulturen heraus.
“Mode wird … zunächst Ausdruck einer Subkultur, zum allgemeinen Trend, standardisiert, gewissermaßen zur Uniform, wird dann wieder von neuen Jugendkulturen aufgegriffen und verfremdet, es bilden sich neue Stile, die wieder zum allgemeinen Trend werden…”
Im Allgemeinen gilt, dass Jugendkulturen sowohl was ihre Protagonisten betrifft als auch hinsichtlich ihrer ästetischen Erscheinungsformen durchlässig sind:
“…jede Szene nimmt Elemente anderer Szenen auf. Die Vermischung dieser Elemente hat zur Folge, dass eine Jugendkultur sich immer weniger durch eine charakteristische Mode auszeichnet, was eine völlige Abkehr von den Tendenzen der Anfänge von Jugendkulturen bedeutet, als man sich möglichst deutlich von den jeweils anderen unterscheiden wollte… Gemeinsames Feindbild sind nun vielmehr die Leute, die so tun, als gehörten sie einer Szene an, indem sie von einer Szene beeinflusste Mode tragen. ..”
Zieht eine Jugendkultur zu viele dieser “Mode”- bzw. “Wochenend”-Szenegänger an, wird sie für ihre aktiven Protagonisten unattraktiv und zerfällt. Während sich ein Teil der Anhänger ins Private oder in den “Untergrund” zurück zieht, sucht ein anderer Teil nach neuen Wegen, um für sich den Reiz der Szene aufrecht zu halten. Szenemode ist kein statitisches Konstrukt, sondern wie jede Mode im ständigen Wandel begriffen. Typisch sind jedoch bestimmte Leitlinien, die im Rahmen der Jugendkultur nicht in Frage gestellt werden. So wird man niemals einen Heavy Metal-Fan in lila Latzhose sehen oder einen Disco-Gänger in schmutzstarrenden, zerfetzten Hosen.
(Quelle der Zitate)
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